August 2008: Zur Sache
1. Wie groß schätzen Sie die qualitativen Unterschiede der auf dem weltweiten Markt angebotenen Pigmente ein und wo liegen nach Ihrer Meinung die größten Unterschiede?
Die Qualitäten von Pigmenten auf dem Weltmarkt sind sehr unterschiedlich. Bei der Pigmentauswahl geht es eher darum, die beste Qualität für die Endanwendung zu finden und die Reproduzierbarkeit sowie Verfügbarkeit zu sichern. Eine Abhängigkeit der technischen Qualitäten können wir nicht bis in die Produktionsstandorte in Europa, Asien oder den USA zurückverfolgen.
Technisch und wirtschaftlich gesehen sind die wichtigsten Anhaltspunkte die Farbstärke und die Dispergierbarkeit des Pigmentes. Im Segment der Spezialitäten spielen zusätzliche Anforderungen eine große Rolle wie die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen, Normen und Zulassungsverfahren. Deutliche Qualitätsunterschiede zeigen sich dann eher, wenn es um die Einhaltung enger Spezifikationen geht.
Die so genannten Commodities werden oftmals auf andere Weise betrachtet. Die Spezifikationen sind weiter gefasst und das Preis-/Leistungsverhältnis tritt stärker in den Vordergrund. Weltweit findet man eine beachtliche Anzahl unterschiedlichster Anbieter mit akzeptablen Qualitäten. Es gilt hier vielmehr einen zuverlässigen Lieferanten zu finden.
Aus unserer Erfahrung heraus haben wir uns für namhafte Hersteller aus Europa entschieden. Sie bieten einen Mehrwert durch technischen Support vor Ort und einer höheren Produktsicherheit. Unser direkter Kontakt informiert uns regelmäßig über Entwicklungen auf dem Pigmentmarkt und ermöglicht uns schnellere Reaktionszeiten auf Kundenbedürfnisse.
2. Welche Pigmente verwenden Sie hauptsächlich in Ihren Produkten und nach welchen Prinzipien wählen Sie die Pigmente aus?
Als Hersteller von Pigmentpräparationen beliefern wir die unterschiedlichsten Industrien. Das fängt bei der Bauchemie an, geht über Druckfarbenhersteller zu Systempasten-Anwender und Spezialitäten bis hin zu Flüssigfarben für die Kunststoffindustrie. Neben den Commodities, die in diesen Industrien ständigen Einsatz finden, hat sich Arichemie mit der Entwicklung individueller Kundenlösungen ein breites Produktportfolio aufgebaut.
Die Pigmentauswahl beginnt mit den technischen Anforderungen des Endproduktes und einem Kostenrahmen. Die Pigmentpräparation ist ein Zwischenprodukt und darf sich weder technisch noch finanziell negativ auf die Endanwendung auswirken. Im ersten Schritt werden für die Anwendung geforderte Beständigkeiten bzw. Echtheiten festgelegt. So ist die Licht- und Wetterechtheit maßgeblich für Farben im Außenbereich oder das Migrationsverhalten bei der Einfärbung von Kunststoffen ausschlaggebend. Danach werden geeignete Pigmente ausgewählt und die Rezeptur mit den zweckentsprechenden Additiven entwickelt.
Entscheidend ist die optimale Kombination aus Farbstärke, Farbort, Dispergierbarkeit, Verträglichkeit und Preis. Wenn es um die Entwicklung nach speziellen Kundenanforderungen geht, kommen weitere Aspekte hinzu. Hier gehören zusätzliche Eigenschaften wie z. B. Anwendungssystem, Brillanz oder Transparenz zum Auswahlkriterium. Im Segment der Spezialitäten ist der Korridor noch enger. Für lebensmittelnahe Anwendungen sowie die Einhaltung der europäischen Spielzeugnorm oder Anforderungen der Automobilindustrie gelten besondere Zulassungsverfahren. Die technischen Vorraussetzungen entscheiden allerdings nicht allein. Das Pigment muss verfügbar und unter Umständen mit kurzen Lieferfristen erhältlich sein. Mit diesem Hintergrund stellen wir unsere Anforderungen an Pigmentlieferanten. Es kann vorkommen, dass aufgrund der vielfältigen Anwendungsbereiche unserer Pigmentpräparationen wir für einen Colour Index auf bis zu fünf Hersteller zurückgreifen. Heute bezieht die Arichemie nahezu 100 Prozent ihres Bedarfs bei europäischen Lieferanten.
3. Was wird sich nach Ihrer Einschätzung in nächster Zeit auf dem Markt für Pigmente verändern? Welche Neu- und Weiterentwicklungen erwarten Sie?
Mit der Einführung von REACH werden sich unweigerlich Änderungen auf dem Pigmentmarkt ergeben. Welche Auswirkungen es auf die Verfügbarkeit und Preise von Pigmenten haben wird, kann heute noch keiner sagen.
Bei unseren Kunden zeichnet sich seit ein paar Jahren deutlich ab, dass die Anforderungen im Besonderen bei customer-made Produkten höher und die Spezifikationen enger werden.
Die kontinuierliche Verbesserung der Dispergierbarkeit der Pigmente, wird in Zukunft die Entwicklung des Marktes bestimmen. Zudem werden verstärkt spezielle Pigmente entwickelt, die besondere technische Anwendungseigenschaften erfüllten sollen. Zudem wird die Verfügbarkeit von Rohstoffen in der Zukunft ein Thema sein. Wir konnten in den vergangen Jahren eine Verknappung mit steigender Tendenz feststellen. Die Produktion wird dadurch immer stärker beeinflusst und der Einkauf von Rohstoffen muss noch früher im voraus geplant werden.
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